Ausbildung von Kindesbeinen an ...

Drill ist nicht alles!

Parallel zur Geschichte des Klassischen Balletts entwickelte sich auch die Tanzausbildung. Einst diente der Tanz dem herrschenden Adel zur Zerstreuung – als Zuschauer. Man ließ talentierte Leibeigene zu Ballett-Stars abrichten, als wären es Tanzbären. Hart ist die Ausbildung noch immer, doch hat man längst erkannt, dass „Drill“ nicht alles ist. Heute muss ein Tänzer nicht nur die nötigen körperlichen Voraussetzungen vorweisen können, sondern ebenso über ein umfangreiches Wissen in Musik, Geschichte und Theater verfügen.

Verdiente sich einen besonderen Ehrenplatz in der Ballettgeschichte: Madame Agrippina Waganowa

Die russisch-sowjetische Tänzerin, Pädagogin, Choreographin und Ballettdirektorin Agrippina Waganowa (1879 bis 1951) trat nach ihrem Examen an der kaiserlichen Ballettakademie ins Marientheater ein und avancierte 1915 zur Ballerina. 1921 wurde sie Pädagogin und formte im Laufe der Jahre das nach ihr benannte Unterrichtssystem, das heute weltweit anerkannt ist.

„Wenn wir ihren Unterricht betraten, hatten wir immer ein großes Gefühl der Selbstverantwortung. Sie forderte den ganzen Menschen, den wachen Geist, absolute Offenheit und Arbeitsliebe. Nicht Strenge war es, die ihre Stunden bestimmte, sondern Hingabe und Unerbittlichkeit.“

(Galina Ulanowa, *1909‚ † 1998, Primaballerina Assoluta des Bolschoi, hier in der Rolle der Giselle, über ihre Ausbildung bei Agrippina Waganowa)

Das international am weitesten verbreitete Unterrichtssystem für Klassisches Ballett ist, neben der insbesondere im Bereich des Kinderballetts eingesetzten englischen Methode nach RAD (Royal Academy of Dance), die russische Waganowa Methode. Die russische Tanzpädagogin Agrippina Waganowa, die noch mit Petipa zusammen gearbeitet hatte, schrieb eines der besten Lehrbücher über die Grundlagen des Klassischen Tanzes. Waganowa’s Methode zeichnet sich durch besondere Logik sowie einen lückenlosen Aufbau in den Stoffplänen aus und bildet bis heute die Basis der russischen Ballettausbildung in den zahllosen Ballettakademien und -schulen des Landes, aus denen auch das Staatliche Russische Ballett Moskau die hoffnungsvollsten jungen Talente rekrutiert. Neben einer Vielzahl von privaten Akademien zählen die zwei staatlichen Ballettschulen, die St. Petersburger Akademie für Russisches Ballett und die Moskauer Staatsakademie für Choreographie, wohl zu den berühmtesten Schulen des klassischen Tanzes in Russland überhaupt.

Eine überwältigende Fülle von hochkarätigen Tänzern und internationalen Preisträgern begannen ihre ersten Tanzschritte im Kindesalter mit der Waganowa-Methode. Die heute führenden Compagnien, allen voran das Bolschoi und das Mariinski-Ballett verdanken ihr dem Grunde nach ihr internationales Renomeé: Klassische Ballettkunst in ihrer reinsten Form.

Bereits im Alter von 9-10 Jahren werden die Kinder in Ballettschulen aufgenommen wo sie innerhalb einer 8-jährigen Ausbildung in Theorie und Praxis unterrichtet werden. Das tägliche Training vervollkommnet die Arm- und Beinhaltung, korrigiert Kopf- und Körperhaltung, bis alles zu einem harmonischen Ganzen verschmilzt. Nach dem Grundstudium werden dann komplexe Bewegungsabläufe einstudiert und in ihrer plastischen Sprache noch weiter perfek­tioniert.

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